Praxisbasiert forschen: My HoMe is my BURG

My Home is my Burg

Virtuelle, sprechende Assistent*innen sind innerhalb der letzten Jahre von der Kinoleinwand in unsere eigenen vier Wände gezogen.
Programme wie Amazons Alexa, Apples Siri oder Microsofts Cortana sind nicht nur in ihren speziellen Containern und auf Smartphones zu finden, sondern sind auch in Fernsehern, Kühlschränken oder Leuchten vorinstalliert und damit tief im Alltag vieler Menschen eingebettet. Zwar bringen uns diese Objekte einige Annehmlichkeiten, offenbaren aber gleichzeitig auch tief in unserer Gesellschaft verwurzelte Stereotype: So sprechen die meisten voice assistants mit einer weiblichen Stimme und sind auch in ihrer Persönlichkeit nach heteronormativen Vorstellungen (weißer) Weiblichkeit gestaltet. Sie sind höflich, dienstbereit, umsorgend, unterhaltend und manchmal sogar etwas flirty. 
Neben dieser recht stereotypen Repräsentation von Weiblichkeit weisen die virtuellen Assistentinnen noch andere Defizite auf: Einen nachlässigen Umgang mit Nutzer*innendaten, einen enormen Verbrauch von Ressourcen wie Energie oder Rohstoffe sowie die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft. 

In unserem Projekt My HoMe is my BURG möchten wir deswegen Sprachassistenten, Smart Speaker und Chatbots unter die Lupe nehmen: Warum sind die meisten Sprachassistentinnen weiblich? Warum müssen künstliche Assistenten überhaupt vermenschlicht werden? Warum wohnen sie in Zylindern? Wie sehen gesellschaftliche und politische Dimensionen dieser Technologie aus? Lassen sich Strategien der Spekulation als Werkzeug feministischer Kritik im Umgang mit Sprachassistentinnen nutzen?

My home is my burg

Ziele des Projekts

Entwürfe, Versuchsreihen, Prototypen, Performances, Geräte, Interfaces, die sich kritisch mit Design und Dialog bei „sprechenden“ Geräten auseinandersetzen und neue, alternative Wege von KI-Technologie gestalterisch erforschen. Dazu kommt ein vertieftes theoretisches Verständnis über Technologie, Geschichte und Soziologie von Chatbots, Voice Assistants und Smart Speakern.

Darüber hinaus sollen die Projektteilnehmer*innen fächerübergreifendes Arbeiten erproben und ihre eigenen Fertigkeiten in gemeinsamen Projekten mit dem Gegenüber schärfen. Ziel des Projekts ist es, in interdisziplinären Team Fragestellungen und Methoden gemeinsam zu erarbeiten. Die Komplexität des Themas erfordert eine Vernetzung individueller Fähigkeiten und fachspezifischen Wissens zu einem kollektiven Wissens- und Erfahrungspool. Daneben steht das Erarbeiten einer gemeinsamen Sprache im Fokus, die einen Verständigungsprozess über die Fachgrenzen hinweg ermöglicht.