Programm

Digital ist besser?! – Camp für Digitale Kultur 2022

Die Planung des Programms befindet sich in vollem Gange und die folgenden Programmpunkte sind bereits bestätigt. Ausführliche Informationen zu den Speaker*innen, Aussteller*innen und dem Rahmenprogramm finden Sie weiter unten.

Hier finden Sie alle Informationen zum Camp für Digitale Kultur.

Donnerstag, 21. Juli

11:00

11:15


12:15

13:00



14:30

15:30




18:00

19:30



22:00

Eröffnung

Keynote mit Gerfried Stocker

Mittagspause

Panel KI-Literacy mit Arne Berger, Amelie Goldfuß und Alexander Scheidt

Meet the Artist

Panel VR/XR-Literacy mit Kai von Luck, Marco Zeugner und Christian Zöllner

Abendessen

Esmeralda Conde Ruiz: Larynx Nights x Merseburg

Projection Mapping an der Willi-Sitte-Galerie

Freitag, 22. Juli

10:00

10:30



12:00

13:00


13:00 – 15:00

Do. & Fr.

Begrüßung

Panel Maker-Literacy mit Robert Müglitz, Kristin Narr und Nina Schröter

Mittagspause

Eröffnung Get-Together für Maker*innen

Get-Together für Maker*innen

Ausstellung mit mit Arbeiten von Post Organic Bauplan, Moving Target Collective, Robert Müglitz und Alexander Scheidt

Keynote

Gerfried Stocker (Künstl. Leiter der Ars Electronica):
Digitalisierung verändert nicht unsere Welt – wir tun es.

In dem Ausmaß, in dem aus einer technischen Infrastruktur für den Austausch von Daten ein sozialer Raum, ein digitaler Lebensraum, in dem wir nicht nur beruflich bedingt agieren, sondern auch Teile unserer Freizeit verbringen, nicht nur Katzenfotos, sondern persönliche Kontakte und Intimitäten teilen, in dem Ausmaß müssen sich die Rahmenbedingungen und Spielregeln der schönen neuen digitalen Welt ändern. Sie müssen sich an den privaten und öffentlichen Erfordernissen der UserInnen orientieren. Doch auch wir müssen uns verändern, unsere Handlungsfähigkeiten erweitern, neue Kompetenzen erwerben und neue Verantwortungen wahrnehmen. 

Moderation:
Sara Morais dos Santos Bruss

Sara Morais dos Santos Bruss ist Kultur- und Medienwissenschaftlerin. Ihre Arbeit beschäftigt sich mit queerfeministischen und dekolonialen Kritiken von KI, mit digitalen Imaginären und Storytelling als kritische Praxis. Sara ist Redakteurin bei kritisch-lesen.de und Mitglied von diffrakt. Zentrum für theoretische Peripherie in Berlin. Gemeinsam mit Michael Klipphahn und Ann-Kathrin Koster ist sie Herausgeberin des Sammelbands „Queere KI. Zum Coming Out smarter Maschinen“ (transcript, voraussichtlich 2022)

Panel KI-Literacy

Prof. Dr. Arne Berger (Mensch-Computer-Interaktion, Hochschule Anhalt):
Partizipation und sozialverantwortliche Technikentwicklung.

Arne Berger ist Mitglied des Leitungsgremiums des Fachbereichs Mensch Computer Interaktion und Sprecher der Fachgruppe Partizipative und Sozialverantwortliche Technikentwicklung in der Gesellschaft für Informatik. Er wird darüber sprechen, wie Participatory Design und Co-Design zu nachhaltiger Technikentwicklung beitragen kann. Diejenigen, die von einer Zukunftstechnologie betroffen sein werden, sollten bei ihrer Entwicklung ein aktives Mitspracherecht haben.

Amelie Goldfuß (Industriedesignerin, Burg Giebichenstein): AI Pictures 
Die Bildsprache für Künstliche Intelligenz befindet sich in einer Krise. In der Google-Bildersuche zu KI blickt man auf eine homogene blaue Wand von Grafiken, die KI als humanoide, weiße Roboter darstellen, die unerklärlich sexualisiert sind und aus deren Köpfen Kabelbündel kommen. Wie finden wir zu einer Bildsprache, die KI-Literacy nicht erschwert, sondern unterstützt?

Dr. Alexander Scheidt (Bildungswissenschaftler, FH Potsdam):
Künstliche Intelligenz – die Philosophie hinter dem Hype

Alexander Scheidt vertritt die These, dass der heutigen KI-Forschung Theorien des menschlichen Geistes zu Grunde liegen, die mit unseren realen kognitiven Fähigkeiten nur wenig zu tun haben. Das Konzept von Intelligenz in heutiger KI steht dem Fortstritt dieser Disziplin entgegen. Das führt dann notwendigerweise zu Enttäuschungen und zu Skepsis gegenüber einer eigentlich faszinierenden Wissenschaft. Um dem Traum denkender Maschinen näher zu kommen, bedarf es aber der Reflektion einiger alter philosophischer Fragen.

Panel VR/XR-Literacy

Prof. Dr. Kai von Luck (Informatik, HAW Hamburg):
Interaktive digitale Zwillinge in umfangreichen XR-Schulungen

Im Rahmen einer Kooperation mit dem Energieversorger EnBW wurden verschiedene Workflows für die Erstellung digitaler Zwillinge evaluiert, die in Echtzeit-XR-Trainings eingesetzt werden sollen. Digitale Zwillinge ermöglichen den virtuellen Zugang zu und die Interaktion mit Anlagen, die nur schwer oder gar nicht zugänglich sind, zum Beispiel Trainingssimulationen für Ingenieure an Offshore-Windkraftanlagen.

Prof. Christian Zöllner (Industriedesign, Burg Giebichenstein und Gründer von „The Constitute“): Digitalkultur in ländlichen Räumen
In diesen dezentralen und demographisch kritischen Regionen findet sich oft keine Infrastruktur für ein selbständiges Erkunden, Lernen und Experimentieren von und mit digitalen Kulturtechniken. Fab Labs, Maker- und Hackspaces sind nicht in „erfahrbarer“ Nähe. Aus diesem Grund gibt es das Fabmobil als fahrendes Kunst- und Digitallabor für ländliche Regionen. Christian Zöllner wird vom Fabmobil und den 2022 entstandenen Lokallaboren in Löbau, Weißwasser und Annaberg-Buchholz berichten.

Prof. Marco Zeugner (Multimediale Sachkommunikation, Hochschule Merseburg):
Licht und Schatten in immersiven Lernwelten

Was ist das vielversprechende Wirkprinzip des Immersive Learning? Worin liegen die Potentiale der Vermittlung von Wissen durch den Einsatz von VR- und AR-Lernszenarien? Die Beantwortung dieser Fragen führt zu einem grundlegenden Dilemma in Bereich des Informationsdesigns und der Wissenskommunikation: Wo endet zielführendes, förderliches Gestalten von digitalen Lerninhalten und wo beginnt unlautere Manipulation der Lernenden.

Panel Maker-Literacy

Robert Müglitz (Medienpädagoge): Die Rückeroberung von Hammer und Säge im Werkunterricht des digitalen Zeitalters 
Dennis spielt im Jugendclub ein einfaches „Clicker game“, um „clicks“ für einen „YouTuber“ zu erzeugen. Robert nutzt eine Pause schaltet von der Spieloberfläche auf den Quelltext um. Dort findet er eine Stelle, die scheinbar die Anzahl der „clicks“ pro Mausdruck reguliert und tippt an die 20 Nullen hinter den Wert… Dennis ist kurz irritiert, das Ergebnis scheint aber zu überzeugen. Er ruft laut aus: „Krass, Robert hat mir ne mod installiert“…. „Nicht ganz“ versucht Robert gegenzuhalten: „Ich habe im Quelltext nur den …“, aber zu spät: „Kann ich das auf Steam finden?“, „War die mod kostenlos?“… 

Kristin Narr (Maker Days for Kids):
Maker-Literacy – junge Menschen machen lassen

Im Impulsvortrag wird das Konzept der „Maker Days for Kids“, einer offenen, temporären, digitalen Werkstatt für Kinder mit Holzarbeiten, Podcasts, Trickfilme, Produkte aus Lasercutter, Roboter, DIY-Produkte etc. erläutert. Im Fokus steht das Schaffen eines offenen, modernen Lernsettings, von dem man im Grunde nicht weiß, was passieren wird. Sie geben die Infrastruktur, die Kinder entscheiden, was sie machen wollen. Die zentralen Fragen dabei: Was steckt hinter dem Machen in pädagogischen Kontexten? Was ist Maker Education? Was bedeutet Maker-Literacy? 

Nina Schröter (Jugend hackt e. V.):
„Wie Jugendliche mit Code die Welt verbessern“. 

„Mit Code die Welt verbessern“ ist der der Slogan und der Anspruch von Jugend hackt. Bei ihren Events kommen Jugendliche zusammen, um aus eigenen Projektideen gemeinsam mit anderen Prototypen zu entwickeln. Die Grundlage ihres pädagogischen Konzepts ist es, die Jugendlichen selbstbestimmt arbeiten zu lassen und ihnen quasi nebenbei gesellschaftspolitische und ethische Fragestellungen zu vermitteln. Wie das funktioniert, was dabei entsteht und wie man die Erkenntnisse aus neun Jahren Jugend hackt nutzen kann, stellt Nina Schröter vor. 

Get-Together für Maker*innen

Das Get-Together am Freitag zielt darauf ab, verschiedene Menschen, die sich mit Making und Maker Education beschäftigen, zusammen zu bringen. So wollen wir die Sichtbarkeit der Akteure erhöhen, neue Kollaborationen anzuregen und zeigen, welche Projekte möglich sind. Es werden Projekte von Studierenden aus Merseburg und unseren Kooperationspartner*innen vorgestellt. Die Maker Days for Kids Leipzig werden ebenfalls dabei sein und veranschaulichen, wie Making als Konzept offener Lernsettings für Kinder und Jugendliche funktionieren kann.

Ausstellung

Post Organic Bauplan: [ab]bauen
[ab]bauen ist eine Video-Installation, die die Künstler*innen Josefina Maro und Salvador Marino währen einer Residenz in HELLERAU entwickelt haben. Die Arbeiten von Post Organic Bauplan befinden sich an der Schnittstelle von Tanz und Robotik, wobei sie Roboterprothesen herstellen und mit ihnen durch Tanz experimentieren und Körperlichkeiten erforschen.

Alexander Scheidt: Any-Cubes – KI begreifen und verstehen
Die Any-Cubes sind ein neuartiges KI- und IoT-Lernspielzeug. Sie ermöglichen verschiedene Aktionen: Bilderkennung per Deep Learning, LED-Farbanzeige und automatisiertes Ein- und Ausschalten eigener Maker-Projekte. Das Ziel des Projekts Any-Cubes ist es, Künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge in Schulen, Museen und Lernwerkstätten greifbar und verstehbar zu machen.

Robert Müglitz:
Robert Müglitz präsentiert in der Ausstellung eine digital-physische Arbeit, zusammengesetzt aus raspberry pi zero, raspberry pi pico, verschiedenen externen Sensoren, einer Menge Heißleim und 3D-gedruckten Teilen. Mit einem Smartphone besteht die Möglichkeit zur Interaktion.

Moving Target Collective:

MiauMiau
Die Frage „Wird die Abwertung weiblicher Eigenschaften sowie die Objektifizierung von Frauen bei künstlicher Intelligenz reproduziert?“ war Ausgangspunkt für die experimentelle Installation MiauMiau: Ein Prototyp für eine fiktive feministische Sprachassistenz, mit der Nutzer*innen interagieren können. Die Antworten geben einen ernüchternden Einblick in Beziehung zwischen Mensch und Maschine.

Once an Assistant, Always An Assistant
Der Artikel „Once An Assistant, Always An Assistant“ dient als Grundlage dieser Installation. Darin wird ein Prozess der Feminisierung in der Arbeitswelt der Moderne identifiziert und nachgezeichnet, innerhalb dessen Berufe wie Typistin oder Telefonistin als weiblich konnotiert wurden. Die Verbindung von Frauen mit Assistentinnen wurde zum diskursiven Fundament, auf dem bei der Entwicklung weiblicher Personas von KI-Anwendungen wie Amazons Alexa oder Apples Siri aufgebaut wurde. Feminisierte Sprachassistenten verstärken deswegen eine Kultur, die Geschlechterstereotype reproduzieren.

Abendprogamm

Esmeralda Conde Ruiz: Larynx Nights x Merseburg 
Die Larynx Nights sind eine Reihe von öffentlichen Publikumsexperimenten, die Esmeralda Conde Ruiz’ Forschung und Arbeit an KI-Chören am Schaufler Lab der TU Dresden unterstützen. Die Komponistin, Dirigentin und Künstlerin hat in den vergangenen Jahren sehr häufig an der Schnittstelle von Musik und Bildender Kunst gearbeitet. Dabei interessiert sie sich insbesondere für die Auslotung der möglichen Grenzen von Chorkompositionen, die sie klanglich und visuell transformiert, decodiert und in neue Kontexte überführt. In ihrer partizipativen Perfomance in Merseburg möchte sie gemeinsam mit uns Emotionen im Zusammenhang mit Musik erforschen. An diesem Abend wollen wir zusammen den Effekt von a-capella-Musik, körperlicher Präsenz und Gefühlen sozialer Verbundenheit erforschen. Wie empfinden wir als Publikum eine Stimme ohne physischen Körper? Welche Vorraussetzungen benötigen wir, um aufnahmebereit für Musik zu werden und uns mit einem Musikstück zu verbinden?

Max Wileschek:
Projection Mapping an der Fassade der Willi Sitte Galerie

Visuell wird Max Wileschek mit Photogrammetrie-Punktwolken arbeiten, welche in Anlehnung an Flussers Medienphilosophie die Zerlegung der Wirklichkeit in Punkte der Digitalität symbolisieren sollen und ihre anschließende Rücksynthese in konkrete Objekte.